Für was wollen wir eigentlich »digitale Unabhängigkeit«?
-
Für was wollen wir eigentlich »digitale Unabhängigkeit«? Reicht uns das Kriterium »europäisch«? Oder wollen wir Small Tech, Open Source oder Genossenschaften? Spannende Fragen, die nun diskutiert werden.
Die Rechtswissenschaftlerin Marietta Auer hat vor längerer Zeit einen hörenswerten, durchaus anspruchsvollen Vortrag gehalten.
Und ich finde, dass dieser ältere Vortrag einen wunderbaren Rahmen gibt, um was es eigentlich geht.
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/digitalisierung-wie-viel-freiheit-in-der-digitalisierung-stecktIm folgenden Thread habe ich ihn kurz zusammengefasst
️ /meb
-
Für was wollen wir eigentlich »digitale Unabhängigkeit«? Reicht uns das Kriterium »europäisch«? Oder wollen wir Small Tech, Open Source oder Genossenschaften? Spannende Fragen, die nun diskutiert werden.
Die Rechtswissenschaftlerin Marietta Auer hat vor längerer Zeit einen hörenswerten, durchaus anspruchsvollen Vortrag gehalten.
Und ich finde, dass dieser ältere Vortrag einen wunderbaren Rahmen gibt, um was es eigentlich geht.
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/digitalisierung-wie-viel-freiheit-in-der-digitalisierung-stecktIm folgenden Thread habe ich ihn kurz zusammengefasst
️ /meb
---- Exzerpt Vortrag Marietta Auer 1/3 ----
Die Digitalisierung bedeutet zunächst einen Freiheitsgewinn. Dass es aber in das Gegenteil umzukippen droht, liegt an der Ambivalenz, die schon in der Freiheit selbst angelegt ist: Die Menschen entscheiden sich frei, aber oft für das schlechteste. Diese Lücke ist für den Preis der Freiheit aber erforderlich, sonst landet man in einem paternalistischen Tugendstaat.Wie stellt sich dieses Problem nun in der Digitalisierung dar:
1. Unter Big Tech verliert das Individuum seine Individualität, es wird von statistischen Daten gesteuert, die Ungerechtigkeiten reproduzieren können - ohne dass dafür jemand verantwortlich sein will. Gleichzeitig verliert das Individuum Abwehrrechte dagegen und Zugriff auf Entscheidungsgrundlagen. -
---- Exzerpt Vortrag Marietta Auer 1/3 ----
Die Digitalisierung bedeutet zunächst einen Freiheitsgewinn. Dass es aber in das Gegenteil umzukippen droht, liegt an der Ambivalenz, die schon in der Freiheit selbst angelegt ist: Die Menschen entscheiden sich frei, aber oft für das schlechteste. Diese Lücke ist für den Preis der Freiheit aber erforderlich, sonst landet man in einem paternalistischen Tugendstaat.Wie stellt sich dieses Problem nun in der Digitalisierung dar:
1. Unter Big Tech verliert das Individuum seine Individualität, es wird von statistischen Daten gesteuert, die Ungerechtigkeiten reproduzieren können - ohne dass dafür jemand verantwortlich sein will. Gleichzeitig verliert das Individuum Abwehrrechte dagegen und Zugriff auf Entscheidungsgrundlagen.---- Exzerpt 2/3 ----
2. Netzwerke für die soziale Entfaltung gab es schon immer. Wir sind auf Netzwerke angewiesen, ohne sie droht der soziale Tod. Freiheit ist auch das Produkt von Netzwerken. Wer garantiert uns nun positive Teilhabe in analogen oder digitalen Netzwerken? Hier unterscheidet Auer zwei Probleme - und nur eines kann man lösen:
2a. Problem des *Inhalts* der Freiheit in Netzwerken:
In digitalen Netzwerken können Algorithmen so steuern, dass sich Hass, Mobbing, Narzissmus durchsetzt. So wird die schlechte Seite des Menschen mit seiner grundsätzlich defizitär angelegten Freiheit verstärkt.
Warum verhindern wir das nicht komplett regulatorisch ? Weil wir es in der liberalen Gesellschaft - wie oben erwähnt - nicht wollen können. Die Lücke ist für die Freiheit erforderlich. -
---- Exzerpt 2/3 ----
2. Netzwerke für die soziale Entfaltung gab es schon immer. Wir sind auf Netzwerke angewiesen, ohne sie droht der soziale Tod. Freiheit ist auch das Produkt von Netzwerken. Wer garantiert uns nun positive Teilhabe in analogen oder digitalen Netzwerken? Hier unterscheidet Auer zwei Probleme - und nur eines kann man lösen:
2a. Problem des *Inhalts* der Freiheit in Netzwerken:
In digitalen Netzwerken können Algorithmen so steuern, dass sich Hass, Mobbing, Narzissmus durchsetzt. So wird die schlechte Seite des Menschen mit seiner grundsätzlich defizitär angelegten Freiheit verstärkt.
Warum verhindern wir das nicht komplett regulatorisch ? Weil wir es in der liberalen Gesellschaft - wie oben erwähnt - nicht wollen können. Die Lücke ist für die Freiheit erforderlich.---- Exzerpt 3/3 ----
3. Ansetzen können wir aber am Problem der *Form* des Netzwerks: Und zwar in der Art, wie wir in den digitalen Netzwerken konsumieren. Unter anderem bei kuratierten Angeboten (z.B. Empfehlungen oder For-You-Feed) verlernen wir den Autonomiegebrauch. Die Autonomiefähigkeit ist ja aber der Kern der Freiheit. Was wir nun brauchen ist eine digitale Infrastruktur, die so verfasst sein muss, dass sie uns den Weg zu Lebensgütern öffnet und nicht "verstellt". Wir müssen nicht programmieren können, um das zu erreichen, aber wir müssen die Technik "meistern" können, um autonom zu bleiben - statt entfremdet und überfordert.
-
Für was wollen wir eigentlich »digitale Unabhängigkeit«? Reicht uns das Kriterium »europäisch«? Oder wollen wir Small Tech, Open Source oder Genossenschaften? Spannende Fragen, die nun diskutiert werden.
Die Rechtswissenschaftlerin Marietta Auer hat vor längerer Zeit einen hörenswerten, durchaus anspruchsvollen Vortrag gehalten.
Und ich finde, dass dieser ältere Vortrag einen wunderbaren Rahmen gibt, um was es eigentlich geht.
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/digitalisierung-wie-viel-freiheit-in-der-digitalisierung-stecktIm folgenden Thread habe ich ihn kurz zusammengefasst
️ /meb
@kuketzblog Naja, zumindest der Gruns, mit dem Marc-Uwe das ins Leben gerufen / mit Reichweite versorgt hat, ist (wenn ich das richtig verstanden habe), von den USA unabhängig zu werden, da die Gefahr besteht, dass die von heute auf morgen den Saft abdrehen, weil Trump gerade mal danach ist.
-
@kuketzblog Naja, zumindest der Gruns, mit dem Marc-Uwe das ins Leben gerufen / mit Reichweite versorgt hat, ist (wenn ich das richtig verstanden habe), von den USA unabhängig zu werden, da die Gefahr besteht, dass die von heute auf morgen den Saft abdrehen, weil Trump gerade mal danach ist.
@kuketzblog Deswegen verstehe ich auch die Kritik von @Lilith nicht so ganz…
-
R ActivityRelay shared this topic
-
Für was wollen wir eigentlich »digitale Unabhängigkeit«? Reicht uns das Kriterium »europäisch«? Oder wollen wir Small Tech, Open Source oder Genossenschaften? Spannende Fragen, die nun diskutiert werden.
Die Rechtswissenschaftlerin Marietta Auer hat vor längerer Zeit einen hörenswerten, durchaus anspruchsvollen Vortrag gehalten.
Und ich finde, dass dieser ältere Vortrag einen wunderbaren Rahmen gibt, um was es eigentlich geht.
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/digitalisierung-wie-viel-freiheit-in-der-digitalisierung-stecktIm folgenden Thread habe ich ihn kurz zusammengefasst
️ /meb
@kuketzblog Europäisch wär schonmal ein guter Anfang. Wer dann noch die weiteren Kriterien mit umsetzen möchte, macht ja nichts falsch. Aber man muss die große Masse ja nicht gleich völlig überfordern.
-
@kuketzblog Europäisch wär schonmal ein guter Anfang. Wer dann noch die weiteren Kriterien mit umsetzen möchte, macht ja nichts falsch. Aber man muss die große Masse ja nicht gleich völlig überfordern.
@mitteljungundnaiv
Ja, klar. Ist irgendwie ein bisschen deutscher Perfektionismus, denke ich. Natürlich gibt es auch hier Milliardäre (und liegt vermutlich in der Natur der Sache), die sich a-loch mäßig aufführen, aber vielleicht ist der (erste? ) Schritt der Trennung weg von big tech wichtiger als eine unter sämtlichen ethisch/moralischer Gesichtspunkten idealer Geschäftspartner?
Vielleicht ist es auch nicht für jeden so einfach herauszufinden, bzw.
liegt nicht jedem gleich auf der Hand... Niedrigschwellig, das muss der #did sein, nicht auch noch voller moralischer Ansprüche. Da hast du doch gleich wieder 95% verloren
@kuketzblog -
@kuketzblog Europäisch wär schonmal ein guter Anfang. Wer dann noch die weiteren Kriterien mit umsetzen möchte, macht ja nichts falsch. Aber man muss die große Masse ja nicht gleich völlig überfordern.
@kuketzblog @mitteljungundnaiv Aber europäisch allein ist ja keine Lösung. Europäisches BigTech unterliegt den gleichen Gefahren unter bspw. einem "bösen" CEO, Bundeskanzler*in, ausländischem Investor ...
Die Freiheit entsteht erst dann wenn Alternativen existieren und ohne "Sachzwänge" auch frei gewählt werden können.
Das spricht bspw. für dezentrale Strukturen, offene Standards, diversifizierte Anbieterlandschaften, Gemeinwohlorientierung, etc.
-
@kuketzblog Deswegen verstehe ich auch die Kritik von @Lilith nicht so ganz…
@humply3 Ich finde mal ganz ehrlich, dass @Lilith etwas außer acht lässt: Auch wenn es ein bischen "Greta" ist ("we need kathedral thinking..."), vergessen wir gern, dass Freiheit/Unabhängigkeit auch etwas Föderales erfordert.
Wir müssen in Protokollen und (selbstverständlich offnenen und annehmbaren) Standards denken, wie smtp, imap, pop3 bei Emails, caldav bei Kalendern, carddav bei Kontakten usw..
Zusätzlich haben wir GERADE Komponenten gewonnen, ...
1/2 -
@humply3 Ich finde mal ganz ehrlich, dass @Lilith etwas außer acht lässt: Auch wenn es ein bischen "Greta" ist ("we need kathedral thinking..."), vergessen wir gern, dass Freiheit/Unabhängigkeit auch etwas Föderales erfordert.
Wir müssen in Protokollen und (selbstverständlich offnenen und annehmbaren) Standards denken, wie smtp, imap, pop3 bei Emails, caldav bei Kalendern, carddav bei Kontakten usw..
Zusätzlich haben wir GERADE Komponenten gewonnen, ...
1/2@humply3 ... die Hosting ermöglichen und mit Cloud-Protokollen sogar parallel. Also mehrere Anbieter* für dieselben Dateien. Vertrauenswürdige Anbieter? Deine Freunde.
Womöglich gibt es bald Lösungen für verschlüsseltes Hosting, mit denen wir nur noch Verbindungsdaten mit dem Anbieter teilen.* Anbieter kann jede*r sein mit einem OpenSource-Router und OpenVPN, einem kleinen Server und einigen Backup-Platten.
2/2
@Lilith @kuketzblog